Realistischere Zugverspätungen

  • Hallo zusammen,

    ich simme gerade Augsburg-Hochzoll. Immer wieder kommt es hier vor, dass Züge, die in Augsburg beginnen, Verspätung haben, während Fernzüge, die durch die ganze Republik gerollt sind, pünktlich sind. Das ist natürlich wenig realistisch. Klar kann auch ein Zug aus Augsburg wegen Anschlussaufnahme später sein, aber wohl keine 15 Minuten. So lange wird nicht gewartet. Und technische Probleme am Zug gibt's auch nicht so häufig.
    Klar, es entscheidet der Zufallsgenerator, welcher Zug wie viel Verspätung hat. Und der überlegt nicht, wie realistisch es ist, dass ein Zug, der im Nachbarbahnhof beginnt, schon viel Verspätung hat.
    Und vielleicht habe ich eine Idee, wie man dem Zufallsgenerator auf die Sprünge helfen könnte. In ESTWsim gibt es ja viele txt-Dateien, die frei editierbar sind. Könnte es nicht noch für jede Zulaufstrecke eine Art Whitelist und Blacklist geben? In die Whitelist kommen Züge, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie Verspätung haben, und wenn, dann haben sie nur wenig Verspätung. In die Blacklist kann man die Zugnummern von Zügen eintragen, die anfällig für Verspätungen sind. So könnte jeder selbst entscheiden, welche Züge er eher pünktlich und welche eher unpünktlich haben will.
    So, das war meine Idee. Vielleicht können die Entwickler ja was draus machen.

    Viele Grüße und frohe Festtage

    Stefan

    Es gibt Leute, die nur aus dem Grund in jeder Suppe ein Haar finden, weil sie davor sitzen und so lange den Kopf schütteln, bis eines hineinfällt. (Christian Friedrich Hebbel)

  • Ja das Thema Verspätung würde auch meiner Meinung dringend eine Überarbeitung verdienen. In der Stammstrecke fährt z.b. in ESTWsim eine S Bahn mit +25 und der Rest ist auf die Minute pünktlich. Das ergibt wenig Sinn. Man bräuchte also auch die Funktion dass deutlich mehr als ein Zug gleichzeitig aus demselben Zulauf Verspätung haben kann.

    Am praktischsten wäre es wenn man die Verspätungen nach Zuggattungen skalieren kann (z.b. ICE/IC höhere Verspätungen, RB meist pünktlich, S-Bahn fast immer mit kleinen Verspätungen bis +5 etc), aber ich vermute das gibt das bisherige Dateiformat nicht her.


  • Hallöchen,

    Verspätungen realistischer zu gestalten, das hätte schon was. Wenn man für jede Zugnummer festlegen kann, wieviel Verspätung maximal in der jeweiligen Situation auftreten können.
    Die Infrastruktur dafür ist ja schon vorhanden. Jede Zulaufdatei hat eine Spalte "Bedarf", mit optionalen Flags G, B, H, N. Habe ich welche vergessen? Hier könnte man ergänzen, z.B. mit P für pünktlich, für max 5 Minuten Verspätung, Q für max 15 Minuten, nur als Beispiel. Beim Auswürfeln der Verspätung würde dann der jeweilige Cap angewendet.
    Das ganze könnte man dann auch als "Verspätungs-Umleitungsverkehr" selbst bearbeiten, sobald das Programm diese Flags erkennen würde.

    Die maximale Verspätung allein an feste Zug Typen zu binden, das halte ich für keine gute idee. Auf die Gefahr hin, Euch zu langweilen, eine Anekdote. Kurz nach der Jahrtausenwende hatte ich für ca 1/2 Jahr in Otterfing bei Holzkirchen gewohnt und bin wochentags täglich mit der S-Bahn nach München gependelt. Zumindest hatte ich das vor. Allerdings hatte die S-Bahn bei einem 20-40 Minuten Takt in der Regel 20-30 Minuten Verspätung. Von Fahrplan konnte man nicht mehr sprechen. Bin dann stattdessen mit der BOB (DNR in der Sim) von Holzkirchen direkt zum Hbf München oder Harras gefahren. Leider war das gerade die Zeit, in der die BOB auf die neuen Integralzüge umgestellt hatte. Diese sind gerne mal auf freier Strecke liegen geblieben. Später hatten sie das in den Griff bekommen. Auch die S-Bahn kam in den Bereich max 5 Minuten Verspätung, nachdem die Strecke zwischen Deisenhofen und Ostbahnhof zweigleisig ausgebaut war. Es war eine interessante Zeit. ;)

    Verspätete Grüße, Thomas

    Jetzt, da ich alt bin, werde ich nur noch nörgeln. Das wird eine Gaudi (S.E.)

  • Schön wäre auch, wenn die Verspätung rechtzeitig bekannt gegeben wird… Man plant eine Überholung weil der RE/IC ja pünktlich ist & die S-Bahn zu spät… zieht die S-Bahn raus… kurz danach hat der RE/IC von +0 +50… bei Signalsoft z.B. sieht man die Verspätung schon vor der Spawn Zeit. Das würde ich mir hier auch wünschen (klar kann diese sich noch erhöhen oder verringern)

  • Das ist aber nicht unrealistisch.

    Ich sehe in Echt ja auch, dass zB der ECE aus München Verspätung hat, bevor er Lindau-Reutin verlässt und in meinen Stellbereich einfährt ("spawnt" auf Neudeutsch).

    Das Einzige, was unterschiedlich ist: In Echt kann sich die Verspätung ändern (meistens wird sie größer....).

    Manfred

    Fdl im Original der ESTWsim BFZ Bregenz

  • Hallo Manfred,

    das liegt aber vermutlich nur daran, dass ihr über den Grenzübergang keine taugliche Aramis-Schnittstelle (und evtl. eine schlechte Kommunikation??) habt?

    Die Verspätung vom NJ 446, der auf der anderen Seite in deinen Stellbereich reinkommt, kannst du sicher schon viele Stunden vorher einsehen.

    LG
    Igu

  • Hallo Manfred,

    das liegt aber vermutlich nur daran, dass ihr über den Grenzübergang keine taugliche Aramis-Schnittstelle (und evtl. eine schlechte Kommunikation??) habt?

    Die Verspätung vom NJ 446, der auf der anderen Seite in deinen Stellbereich reinkommt, kannst du sicher schon viele Stunden vorher einsehen.

    LG
    Igu

    Normalerweise funktioniert das eigentlich. In Österreich sehr ich (fast) alles, ausgenommen so Wald- und Wiesenbahnen wie die innere Aspangbahn....

    Die Verspätung aus D und CH werden eigentlich auch in Echtzeit weitergegeben, allerdings haben wir keinen Zugriff auf die ausländischen Systeme wie Streckenspiegel. Bei der Inbetriebnahme des Prisma-Systems im Allgäu gab es Kinderkrankheiten, einige Zeit kamen keine Daten von D an (betraf aber auch den Übergang Kufstein). Mittlerweile läuft es eigentlich.

    Unser Betriebsmanager verscht derzeit, einen Schweizer Streckenspiegel für uns zugänglich zu machen, damit wir auch den Zulauf aus Richtung Zürich bzw Romanshorn (S7) sehen. Inwiefern das für D (Lindau) machbar ist - keine Ahnung. Da haben wir ja zusätzlich das Problem, dass da unterschiedliche Regionen aneinander grenzen (Süd und Südwest).

    Manfred

    Fdl im Original der ESTWsim BFZ Bregenz

  • Nun... es ist aber schon unrealistisch, wenn es Grundsätzlich so ist... Klar können MAL Züge Plötzlich hohe Verspätungen haben aber wenn so gut wie jeder zweite Zug erst zur Spawn Zeit plötzlich +30 oder mehr bekommt, ist das schon unrealistisch...

    Nicht zwingend. Siehe Ingos Beitrag.....

    Und wenn bei uns die Datenübertragung nicht funktioniert, stehst auch da und wartest auf den Zug, der eigentlich 30 min Verspätung hat - es aber nicht angezeigt wird....

    Manfred

    Fdl im Original der ESTWsim BFZ Bregenz

  • Sei froh dass ihr nicht an Frankfurt grenzt. Die Hessen gaben (vor Prisma) gar keine Daten Preis. Auch nicht DB-Intern. Das hat sich jetzt mit Prisma (EDIS) erledigt.

    Das wäre mir neu, ich konnte in der Bz Frankfurt die Verspätungen von Südwest und West sehen, ich hatte auch zugriff auf mehrere Streckenspiegel anderer Netze und die Kollegen aus Karlsruhe und Duisburg konnten unsere Daten auch sehen. LG Chris

  • Nicht zwingend. Siehe Ingos Beitrag.....

    Und wenn bei uns die Datenübertragung nicht funktioniert, stehst auch da und wartest auf den Zug, der eigentlich 30 min Verspätung hat - es aber nicht angezeigt wird....

    Manfred

    Naja bei uns in D ist es normal das die Daten erst aktualisiert werden, wenn der Zug ins nächste ZN Feld hüpft, also wenn quasi RE 4611 in Aschaffenburg steht wegen was auch immer, er angekommen ist mit +27 und dort 30min steht, sehen alle anderen Betriebstellen nur die 27+ mit denen er angekommen ist, sobald er aus Aschaffenburg ausgefahren ist, aktualisiert sich die Verspätung von +27 auf +57. LG Chris

  • Das wäre mir neu, ich konnte in der Bz Frankfurt die Verspätungen von Südwest und West sehen, ich hatte auch zugriff auf mehrere Streckenspiegel anderer Netze und die Kollegen aus Karlsruhe und Duisburg konnten unsere Daten auch sehen. LG Chris

    Da mag sein, dass die Hessen die Daten von uns (Südwest) sehen konnten. Das weiß ich nicht. Wir jedenfall sahen keine Daten aus Hessen. Aber das war vor Prisma/EDIS.

    Viele Grüße

    Ingo

    Fdl Bad Friedrichshall Hbf

  • Naja bei uns in D ist es normal das die Daten erst aktualisiert werden, wenn der Zug ins nächste ZN Feld hüpft, also wenn quasi RE 4611 in Aschaffenburg steht wegen was auch immer, er angekommen ist mit +27 und dort 30min steht, sehen alle anderen Betriebstellen nur die 27+ mit denen er angekommen ist, sobald er aus Aschaffenburg ausgefahren ist, aktualisiert sich die Verspätung von +27 auf +57. LG Chris

    Ich kenne aus dem ÖBB-Aramis da die Einstellungsmöglichkeit zwischen "Echtzeit" und "Prognose".

    "Echtzeit" hat sich verhalten, wie von dir beschrieben.
    "Prognose" hat die Verspätung eines in einem Feld stehenden Zuges raufgezählt. Hatte den Vorteil, dass eben Züge, die pünktlich wo angekommen waren, aber aus irgendeinem Grund nicht weiterfuhren, schneller bemerkt wurden. Hatte aber den Nachteil, dass man ab und zu dachte, es würden wo Verspätungen auftreten, aber in Wahrheit hing die Nummer nur (z.B. weil Streckenabschnitte nicht entsprechend mit den notwendigen Systemen ausgerüstet waren).

    Ich arbeite aber seit über 7 Jahren nicht mehr in den entsprechenden Jobs und daher auch nicht mehr mit Aramis, vielleicht ist das jetzt anders :)

  • Ich kenne aus dem ÖBB-Aramis da die Einstellungsmöglichkeit zwischen "Echtzeit" und "Prognose".

    "Echtzeit" hat sich verhalten, wie von dir beschrieben.
    "Prognose" hat die Verspätung eines in einem Feld stehenden Zuges raufgezählt. Hatte den Vorteil, dass eben Züge, die pünktlich wo angekommen waren, aber aus irgendeinem Grund nicht weiterfuhren, schneller bemerkt wurden. Hatte aber den Nachteil, dass man ab und zu dachte, es würden wo Verspätungen auftreten, aber in Wahrheit hing die Nummer nur (z.B. weil Streckenabschnitte nicht entsprechend mit den notwendigen Systemen ausgerüstet waren).

    Ich arbeite aber seit über 7 Jahren nicht mehr in den entsprechenden Jobs und daher auch nicht mehr mit Aramis, vielleicht ist das jetzt anders :)

    Naja ich kann auch nur die Sicht als Leihe (Fdl und Disponent) widerspiegeln und hab mich ehrlich auch nicht weiter befasst mit dem Thema xD, ich weiß nur das die Streckendisponenten die Möglichkeit haben im ZWL-Bild die Line zu verschieben, dann wird auch diese "Prognose" angezeigt, der Fdl hat die Möglichkeit die voraussichtliche Verspätung oder die Voraussichtlich Abfahrt einzugeben, wie sich das aber seit Prisma auf andere Betriebsstellen auswirkt kann ich leider noch nicht sagen, liegt vielleicht auch daran das viele Kollegen nicht wissen (oder einfach nicht möchten), das sowas möglich ist und die Arbeit, gerade bei Betren oder Störungen alles vereinfachen würde. :)

  • Es ist zwischen Österreich und Deutschland immer ein Äpfel-mit-Birnen-Vergleich. Ich habe in diversen Gespräche und Diskussionen schon bemerkt, dass die Bedeutung des ZWL-Bildes im Betrieb in Österreich offenbar wesentlich größer ist, als in Deutschland. Es kommt aber natürlich auch stark auf die Betriebsstelle und Aufgaben dauf an, wie sehr es gebraucht/verwendet wird. Manfred wird in Wolfurt nicht so viel aufs ZWL schauen, wenn er mit seinen Verschubreserven kreuz&quer fährt, vermutlich aber vielleicht mehr, wenn es darum geht, einen ausfahrenden Güterzug richtung Bludenz in die Strecke einzufädeln. Langjährige Fdl, die lange am selben Bahnhof Dienst tun, haben da aber natürlich auch so viele Erfahrungswerte, dass sie das anderwertig (oder "auswendig") entsprechend disponieren können ;)

    Grundsätzlich ist es (soweit ich weiß) auch vorgeschrieben, dass das ZWL-Bild für die kommenden Fahrten (Zeitraum irgendwas bei 30-60 Minuten Vorschau?) durch den Zuglenker entsprechend "ausdisponiert" wird, also sozusagen "schön" gezeichnet ist, so wie die Disposition geplant ist. Und Züge, bei denen man noch nicht weiß, wann sie abfahren/weiterfahren, wandern einfach immer in größeren Schritten weiter nach "unten", um nicht zu "stören". Im Personenverkehr mitunter ein Problem, weil sich die Linien im ZWL auch direkt auf die Verspätungsanzeigen auf den Monitoren, im Internet, etc. auswirken.

    Es ist auch die Organisation mittlerweile deutlich anders, durch die immer größer werdenden Fernsteuerbereiche und die intensivere Konzentration auf Zuglenkbereiche, hat sich in den letzten 10 Jahren viel geändert. Wie gesagt, das ist kein wirklich brauchbarer Vegrleich, aber die ÖBB Infra ist mittlerweile eher so aufgestellt, als würden in Deutschland die Streckendisponenten direkt in die Stellwerke eingreifen. Der Job, der in Österreich früher mal der Streckendisponent war, wurde zum Zuglenker und der Zuglenker greift über die Zuglenkung quasi direkt ins Stellwerk ein (stimmt jetzt technisch nicht ganz, aber er programmiert halt - auch kurzfristig - die Zuglenkung um, sei es für Gegengleisfahrten, Überholungen, Kreuzungsverlegungen, usw.). Die Stellbereichsfahrdienstleiter, die räumlich immer neben "ihrem" Zuglenker sitzen, haben teils riesige Bereiche, sind aber im störungsfreien Betreieb für Zugfahrten sozusagen gar nicht mehr "zuständig" und daher natürlich auch nicht für die Disposition der Zugfahrten über die Strecke hinweg.

    Und da ist, um nicht vollkommen abzuschweifen, das ZWL-Bild natürlich ein sehr sehr wichtiges Tool geworden, weil auch über das einfache ändern der Linien im ZWL (oder in der "Bahnhofsgrafik) in die Zuglenkung eingegriffen werden kann. Es ist (soweit ich mich erinnere) auch schon festgeschrieben dass z.B. ein EVU als vom Infrastrukturbetreiber über Einschränkungen/Verspätungen auf einem Streckenabschnitt verständigt gilt, wenn dies im ZWL ersichtlich ist, da ist nicht zwingend ein Anruf/Mail/whatever notwendig (das stand mal im "Handbuch Abweichungsmanagement", hat sicher inzwischen einen anderen Namen).

    Sorry für den Roman :D

  • IguazuFalls

    In Wolfurt haben wir am Stellwerk zwei Arbeitsplätze:

    1. Fdl "Bahnhof" - Zuständigkeit Bahnhof(teil) Wolfurt und Bahnhof Dornbirn.

    2. Fdl "Strecke" - Zuständigkeit Bahnhof(teile) Lauterach bis Hard-Fussach, Bahnhöfe Lustenau, Bregenz und Lochau.

    Ich habe auf beiden Plätzen das ZWL und den SSP ständig offen. Als Fdl Bahnhof schaue ich tatsächlich weniger ins ZWL, wobei der Zuglenker ab und an mal ein Gegengleisfahren disponiert. Dies müssen wir allerdings dann selbst stellen, da die Aramis-Zuglenkung bei uns in Wolfurt nicht vorhanden ist (EBO1 mit GrAuLi). Der Zuglenker hat mit seinen Dispositionen de facto keinen direkten Einfluss auf die Sicherungsanlage. Als Fdl Strecke hingegen brauche ich das ZWL ständig - wegen der eingleisigen Abschnitte St. Margrethen - Lustenau - Hard, Lauterach Schleife, Bregenz - Lochau. Wie jeder wohl weiß, laufen die EC(E) München - Zürich mehr schlecht als recht - da ist das ZWL doch sehr hilfreich. Ich bin jetzt seit 1992 als Fdl tätig und habe das Geschäft noch "wie früher" gelernt (kleiner Bahnhof -> mittlerer Bahnhof -> großer Bahnhof, keine elektronische Unterstützung usw.). In Vorarlberg bin ich seit 1993 auf unterschiedlichen Bahnhöfen im Rheintal gewesen und ja - da habe ich viele Erfahrungen gesammelt, die mir auch jetzt in Wolfurt noch zugute kommen..... Heute möchte ich den Job nicht mehr anfangen - da landest sofort in der Legebatterie ähm, BFZ. Ohne jegliche Erfahrungen wie ein Computerspiel rote Linien hin- und herschieben, sofort sehr große Bereiche usw.

    Manfred

    Fdl im Original der ESTWsim BFZ Bregenz

  • Es ist zwischen Österreich und Deutschland immer ein Äpfel-mit-Birnen-Vergleich. Ich habe in diversen Gespräche und Diskussionen schon bemerkt, dass die Bedeutung des ZWL-Bildes im Betrieb in Österreich offenbar wesentlich größer ist, als in Deutschland. Es kommt aber natürlich auch stark auf die Betriebsstelle und Aufgaben dauf an, wie sehr es gebraucht/verwendet wird. Manfred wird in Wolfurt nicht so viel aufs ZWL schauen, wenn er mit seinen Verschubreserven kreuz&quer fährt, vermutlich aber vielleicht mehr, wenn es darum geht, einen ausfahrenden Güterzug richtung Bludenz in die Strecke einzufädeln. Langjährige Fdl, die lange am selben Bahnhof Dienst tun, haben da aber natürlich auch so viele Erfahrungswerte, dass sie das anderwertig (oder "auswendig") entsprechend disponieren können ;)

    Grundsätzlich ist es (soweit ich weiß) auch vorgeschrieben, dass das ZWL-Bild für die kommenden Fahrten (Zeitraum irgendwas bei 30-60 Minuten Vorschau?) durch den Zuglenker entsprechend "ausdisponiert" wird, also sozusagen "schön" gezeichnet ist, so wie die Disposition geplant ist. Und Züge, bei denen man noch nicht weiß, wann sie abfahren/weiterfahren, wandern einfach immer in größeren Schritten weiter nach "unten", um nicht zu "stören". Im Personenverkehr mitunter ein Problem, weil sich die Linien im ZWL auch direkt auf die Verspätungsanzeigen auf den Monitoren, im Internet, etc. auswirken.

    Es ist auch die Organisation mittlerweile deutlich anders, durch die immer größer werdenden Fernsteuerbereiche und die intensivere Konzentration auf Zuglenkbereiche, hat sich in den letzten 10 Jahren viel geändert. Wie gesagt, das ist kein wirklich brauchbarer Vegrleich, aber die ÖBB Infra ist mittlerweile eher so aufgestellt, als würden in Deutschland die Streckendisponenten direkt in die Stellwerke eingreifen. Der Job, der in Österreich früher mal der Streckendisponent war, wurde zum Zuglenker und der Zuglenker greift über die Zuglenkung quasi direkt ins Stellwerk ein (stimmt jetzt technisch nicht ganz, aber er programmiert halt - auch kurzfristig - die Zuglenkung um, sei es für Gegengleisfahrten, Überholungen, Kreuzungsverlegungen, usw.). Die Stellbereichsfahrdienstleiter, die räumlich immer neben "ihrem" Zuglenker sitzen, haben teils riesige Bereiche, sind aber im störungsfreien Betreieb für Zugfahrten sozusagen gar nicht mehr "zuständig" und daher natürlich auch nicht für die Disposition der Zugfahrten über die Strecke hinweg.

    Und da ist, um nicht vollkommen abzuschweifen, das ZWL-Bild natürlich ein sehr sehr wichtiges Tool geworden, weil auch über das einfache ändern der Linien im ZWL (oder in der "Bahnhofsgrafik) in die Zuglenkung eingegriffen werden kann. Es ist (soweit ich mich erinnere) auch schon festgeschrieben dass z.B. ein EVU als vom Infrastrukturbetreiber über Einschränkungen/Verspätungen auf einem Streckenabschnitt verständigt gilt, wenn dies im ZWL ersichtlich ist, da ist nicht zwingend ein Anruf/Mail/whatever notwendig (das stand mal im "Handbuch Abweichungsmanagement", hat sicher inzwischen einen anderen Namen).

    Sorry für den Roman :D

    Das ist das Problem hier in D, die Fahrplantabelle und das ZWL Bild dient nur als Zusatz und darf für Dispositive zwecke und im Störungsbetrieb eigentlich gar nicht genutzt werden nach der Ril 408 (Fahrdienstvorschrift), dafür haben wir ja den Fahrplan für Zugmeldestellen und die Tagesmappe, also die Fplo die über die Datenbank kommen. Ich fahre z.b hauptsächlich nur mit ZWL Bild in Aschaffenburg und Großkrotzenburg, alleine schon wegen der Überholungen in A-Burg für Güter und Personenverkehr, in Großkrotzenburg nutze ich es um die Güterlinge vom Rauschwald einzuführen in Richtung Dettingen und Kleinostheim, ich kenne aber auch Kollegen die diese beiden Sachen vehement ablehnen zu nutzen (Ist ja zu modern und man ist dadurch kein guter Fdl mehr) oder viele fahren nur mit der Fahrplantabelle, weil halt einfach noch keine Pflicht hier in D ist. Und dadurch viele gute Chancen für Überholungen oder frühzeitig zu disponieren flöten gehen.

    Ich merke das immer wieder wenn ich in Kleinostheim sitze, wenn A-Burg aus der Schleife noch nen Güterzug vor den RE oder den ICE ballert, bis das ausfällt ist meisten schon der SB durchgelaufen und der Personenverkehr hängt bis Großkrotzenburg hintendran da Dettingen nur 620m Gleise hat und macht dadurch 7-8min plus.

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